Seit 2021 befasst sich der Rat der Stadt Espelkamp mit der Zukunft des Rathauses am Wilhelm-Kern-Platz. Die Entscheidung für einen Neubau ist keine spontane Idee einer Partei. Sie ist das Ergebnis eines mehrjährigen Verfahrens mit externen Gutachten, einer Prüfung durch die NRW.BANK, die die Berechnungen für plausibel befunden hat, und mehreren Ratsbeschlüssen – einige davon einstimmig. Auf dieser Seite haben wir die wichtigsten Fakten zusammengestellt und verlinken auf die öffentlichen Originalunterlagen, damit sich jede und jeder selbst ein Bild machen kann.
Das Wichtigste in Kürze
Ein Rathaus wird nicht für fünf Jahre gebaut, sondern für mehrere Generationen. Wer nur auf die Baukosten schaut, vergleicht Äpfel mit Birnen. Das Rechenmodell des Landes NRW betrachtet deshalb den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes:
Ein altes Gebäude ist anfangs günstiger, verursacht aber Jahr für Jahr höhere Betriebs- und Reparaturkosten und ist am Ende kaum noch etwas wert. Ein Neubau kostet anfangs mehr, ist aber sparsamer im Betrieb und behält länger seinen Wert. Erst über einen langen Zeitraum zeigt sich, was für die Stadt wirklich günstiger ist.
Saldierter Ressourcenverbrauch über 40 Jahre, nominal: Fortführung 91.806.616 €, Neubau Variante 4 62.170.685 €. Quelle: Präsentation der Verwaltung in der Ratssitzung vom 03.02.2026 (Auszug aus dem Kommunalen Rechenmodell); dieselben Werte stehen als amtliche Kostenschätzung auf der Unterschriftenliste des Bürgerbegehrens.
Zur Vollständigkeit: Im selben Rechenmodell lag die Kernsanierung (Variante 1) bei 81,5 Mio. €, ein Neubau am bisherigen Standort (Variante 2) bei 73,4 Mio. € und ein Neubau auf dem ehemaligen Adient-Gelände (Variante 3) bei 60,8 Mio. €. Variante 3 war damit rein rechnerisch rund 2 % günstiger als der Neubau an der „Alten Post“. Sie hätte das Rathaus aber aus der Innenstadt verlegt und wäre erst etwa ein Jahr später bezugsfertig gewesen. Unter Einbezug aller Kriterien – vor allem des Standorts – hat die Verwaltung deshalb Variante 4.3 als wirtschaftlichste Lösung empfohlen. Entscheidend für die aktuelle Debatte: Alle Neubau-Varianten sind deutlich günstiger als Weiterbetrieb oder Sanierung.
Das Bürgerbegehren fordert „geeignete Instandsetzungsmaßnahmen zur Sicherstellung der Gebäudefunktion“. Die Stadt stellt klar, dass es sich dabei nicht um eine Kernsanierung handelt – also nicht um eine Sanierung, bei der das Gebäude bis auf den Rohbau zurückgebaut und technisch komplett erneuert wird –, sondern um den Weiterbetrieb des Gebäudes mit den nötigsten Instandsetzungen. Das heißt: Selbst für knapp 30 Mio. € mehr bekäme Espelkamp kein modernes, sondern ein notdürftig repariertes Rathaus von 1962.
Das Fachbüro hatte 2024 über einen kürzeren Zeitraum von 25 Jahren gerechnet. Auch dort war die Kernsanierung die teuerste Lösung und hinterließ zugleich das Gebäude mit dem geringsten Restwert. Der Neubau an der „Alten Post“ hat nach 25 Jahren den höchsten Buchwert, schafft also am meisten bleibenden Wert für die Stadt:
| Variante (Drees & Sommer, 2024) | Investition | Betriebskosten 25 Jahre | Gesamtkosten | Restwert nach 25 Jahren |
|---|---|---|---|---|
| 1 – Kernsanierung des bestehenden Rathauses | 41,5 Mio. € | 25,5 Mio. € | 67,0 Mio. € | 11,8 Mio. € |
| 2 – Abriss und Neubau am bisherigen Standort | 41,0 Mio. € | 19,1 Mio. € | 60,1 Mio. € | 18,5 Mio. € |
| 3 – Neubau auf dem ehemaligen Adient-Gelände | 30,4 Mio. € | 20,1 Mio. € | 50,5 Mio. € | 18,2 Mio. € |
| 4.3 – Neubau an der „Alten Post“ | 32,7 Mio. € | 20,4 Mio. € | 53,1 Mio. € | 19,6 Mio. € |
Bruttowerte. Quelle: Präsentation „Grundsatzbeschluss zum weiteren Vorgehen Rathaussanierung oder Neubau“, Hauptausschuss 30.10.2024 / Rat 06.11.2024, auf Grundlage des Abschlussberichts von Drees & Sommer.
„Die Stadt ist im Haushaltssicherungskonzept. Ein Neubau ist zu teuer.“
Ein Haushaltssicherungskonzept (HSK) muss eine Kommune aufstellen, wenn ihr Haushalt dauerhaft nicht ausgeglichen ist. Es legt fest, wie sie bis zu einem bestimmten Jahr – in Espelkamp bis 2034 – wieder zu einem ausgeglichenen Haushalt kommt. Die Sorge nehmen wir ernst. Gerade weil das Geld knapp ist, dürfen wir nicht die teurere Lösung wählen. Auch die Fortführung kostet viel Geld – nur verteilt auf viele Jahre und ohne dass am Ende ein zukunftsfähiges Gebäude steht. Deshalb prüft der Rat verschiedene Beschaffungs- und Finanzierungsmodelle und setzt auf Fördermittel.
„Die 40-Jahres-Rechnung ist doch nur ein Modell.“
Richtig, jede langfristige Rechnung beruht auf Annahmen zu Baupreisen, Zinsen und Energiekosten. Aber es ist das offizielle Modell des Landes NRW, die Eingaben wurden von der NRW.BANK plausibilisiert und beide Rechnungen – Drees & Sommer und Landesmodell – kommen zum Ergebnis, dass ein Neubau günstiger ist als eine Kernsanierung. Das Landesmodell hat zusätzlich den Weiterbetrieb gerechnet: Auch er ist über 40 Jahre deutlich teurer als ein Neubau.
„Das Rathaus ist Teil der Espelkamper Geschichte.“
Das stimmt, und die Geschichte unserer Stadt verdient einen würdigen Platz. Espelkamp war immer eine Stadt, die nach vorne gebaut hat. Ein modernes, sicheres Rathaus am selben Platz setzt diese Tradition fort.
„Die CDU wollte nicht, dass die Bürgerinnen und Bürger selbst entscheiden.“
Am 6. Mai 2026 hat der Rat einen Antrag der SPD/UA-Fraktion auf einen Ratsbürgerentscheid mit 17 zu 21 Stimmen abgelehnt. Die CDU-Fraktion hat sich in der Debatte dagegen ausgesprochen: Der Rat war erst sieben Monate zuvor neu gewählt worden – in Kenntnis des Themas Rathaus –, und ein „Nein“ in einem Ratsbürgerentscheid hätte den Rat nicht gebunden und die Diskussion nicht beendet. Das Recht auf ein Bürgerbegehren stellen wir nicht infrage. Wir bitten nur darum, sich vorher mit den Zahlen vertraut zu machen. Deshalb haben wir im Rat vorgeschlagen, dass die Verwaltung Besichtigungen des Rathauses für alle Interessierten anbietet.
„Können Rathaus und Krankenhaus überhaupt gleichzeitig gebaut werden?“
Ja. Die beiden Projekte haben unterschiedliche Bauherren und werden aus unterschiedlichen Kassen bezahlt. Das Klinikum Lübbecker Land an der Gabelhorst bauen die Mühlenkreiskliniken, die dem Kreis Minden-Lübbecke gehören. Das Rathaus baut dagegen die Stadt Espelkamp aus ihrem eigenen Haushalt.
Die Aufgabe der Stadt beim Krankenhaus war vor allem das Planungsrecht: Den Bebauungsplan für das Klinikum hat der Rat am 15. Juli 2026 beschlossen. Auch zeitlich überschneiden sich die Projekte nur teilweise. Das Klinikum soll nach Angaben des Kreises 2031 fertig sein. Beim Rathaus soll Anfang 2027 erst eine Empfehlung zur Beschaffungsform vorliegen; ein Baubeschluss steht noch aus. Die Baustellen liegen zudem an verschiedenen Orten – an der Gabelhorst und am Wilhelm-Kern-Platz.
Zur Ehrlichkeit gehört: Über die Kreisumlage zahlt auch Espelkamp einen Teil der Klinik-Finanzierung mit. Der Kreis rechnet ab Inbetriebnahme mit Zins und Tilgung von rund 17 Mio. € im Jahr und erwartet, dass die Mühlenkreiskliniken ab etwa 2030/31 große Teile davon selbst tragen. Gerade weil auf die Stadt mehrere große Aufgaben zukommen, sollten wir beim Rathaus die Lösung wählen, die über die Jahre am wenigsten kostet.
Alle Gutachten, Präsentationen und Beschlüsse sind öffentlich zugänglich. Im Ratsinformationssystem der Stadt können Sie ohne Anmeldung als öffentlicher Besucher Vorlagen und Niederschriften einsehen.
Fragen oder Anmerkungen? Sprechen Sie uns gerne an – die Kontaktdaten unserer Ratsmitglieder finden Sie hier auf unserer Homepage.